Grafikdesign-Bausteine

In der Regel gibt es 8 Bausteine in der kreativen Phase des Grafikdesigners. Wenn sie Beachtung finden, sollte das Ergebnis gut werden. Sie müssen nicht unbedingt in einer bestimmten Reihenfolge Anwendung finden aber sie sollten alle überprüft und in der Entwurfsphase berücksichtigt werden.
Auch bestimmt die individuelle Gestaltung eines Bausteins den Umgang mit einem oder allen weiteren. Es ist ein System, das in Harmonie zu einander steht. Wird ein Baustein isoliert geändert, stimmt das Zusammenspiel oft nicht mehr. Es muss überarbeitet werden, manchmal durch kleinste Veränderungen, manchmal durch eine komplette Überarbeitung.

Im Auge des Betrachters

Jeder Mensch hat seine eigene kulturelle Geschichte. Der Grafikdesigner sollte seine kennen. Er gestaltet nicht für sich selbst. Sein Entwurf soll, wenn er gut ist, eine bestimmte Zielgruppe erreichen. So muss das Design nicht unbedingt ihm gefallen, auch nicht seinem Kunden sondern der jeweiligen Zielgruppe. Das Ziel ist der Weg zum Erfolg einer Botschaft oder einer Marke. Der Weg zum Betrachter geht über die Emotion. Wohlbefinden oder Unbehagen, Angst oder Liebe, Schönheit oder Sehnsucht, Harmonie oder Kontrast sind die Schienen, um Menschen zu erreichen.

Die Grafikdesign-Bausteine

LAYOUT
Weniger ist mehr.
Die sinnvolle Struktur aller Inhaltselemente ist Voraussetzung für eine gute Flächenaufteilung und das daraus resultierende Layout. Viel Zeit wird dafür verwendet, alle Elemente, die sich der Kunde wünscht, auf eine Fläche oder im Raum zu positionieren. Weniger ist mehr. So kann die Fläche atmen und der Grafikdesigner bekommt die Möglichkeit, das Auge des Betrachters auf das Wesentliche zu lenken. Feng Shui wird meist mit Möbeldesigns in Verbindung gebracht. Doch die Regeln gelten auch für das Layout im Grafikdesign. Alle grafischen Elemente stehen in Beziehung zueinander und zu ihrer Umgebung.

BALANCE
Design ist Kommunikation.
Mit der richtigen Balance, Ausrichtung und Komposition kann ein Design entstehen, das den Eindruck erweckt, als würden die Elemente lebendig interagieren. Schriften, Bilder, Farben, Linien sind die Elemente, Bewegung, Proportion und Rhythmus die Gestaltungsregeln. Richtig sortiert und in Beziehung gebracht erzählen sie eine Geschichte, sie beginnen zu kommunizieren.

HIERARCHIE
Visuelle Kommunikation.
Ein Grafikdesign gelingt dann, wenn die einzelnen Elemente eine Geschichte erzählen. Dazu müssen alle Elemente strukturiert und wie in der Mengenlehre in Gruppen und Untergruppen aufgeteilt werden. Durch Linienführung, Farben und Größenunterschiede wird das Auge des Betrachters gelenkt. Die grafischen Elemente bilden eine Reihenfolge, der das Auge folgt. Mit dieser Hierarchie wird die Geschichte erzählt, wir die Botschaft übermittelt. Oft spielt auch der Faktor Zeit eine Rolle. Wieviel Zeit hat der Betrachter, alle Elemente zu erfassen. Das wiederum wirkt sich auf die Anzahl und Größe der Element aus.

LINIEN UND FORMEN
Das Logo ist das Gesicht der Marke.
Linien und Formen bilden das Fundament des Grafikdesigns. Die Art der Nutzung kann das Aussehen und die Atmosphäre des Designs einscheidend beeinflussen. Runde Logos, spitze Ecken oder vertikale Linien erzeugen ganz unterschiedliche Marken- und Designerlebnisse.
Ein Design mit abgerundeten Ecken wird eine komplett andere Botschaft vermitteln als ein Design mit scharfen Linien oder spitzen Winkeln. Es ist wichtig, die Bedeutung von Linien und Formen zu verstehen, um Designs zu kreieren, die zu einer Marke, Vision und Botschaft passen.
Alle Linien und Formen wiederum sind Teil eines größeren Bildes, der Markenidentität.

FARBE
„Pink ist hübsche.“
Farben erzeugen Emotionen. Sie sind entscheidende Faktoren für die Gesamtästhetik des Grafikdesigns und entscheidend wichtig für das Erreichen der Zielgruppe. Eine Farbkomposition bildet eine eigene hierarchische Untergruppe mit Hauptfarben, Unterfarben, Abstufungen und Kontrastfarben. Es entsteht ein Farbklima, das die Markenidentität prägt und den Wiedererkennungswert erhöht.
Farbenlehre ist weit mehr als nur „Pink ist eine hübsche Farbe“. Psychologen bringen die Farbenlehre mit der Evolution der Menschen in Verbindung. Verbindungen zu Farben haben sich entwickelt, nachdem sie über Jahre mit bestimmten Dingen in Zusammenhang gebracht wurden. Ein Blutrot beispielsweise alarmiert Menschen über drohende Gefahren; Brauntöne wirken eher unappetitlich. Doch das muss nicht zwingend so sein. Bauern oder Schokoladenliebhaber könnten Braun lieben.
Wenn wir Millionen Jahre biologischer Konditionierung betrachten, kann man leicht verstehen, inwiefern Farbassoziationen weit mehr sind, als nur eine Vorliebe.

TYPOGRAFIE
Kerning, Zeilenumbruch, Blocksatz.
Der Baustein der Typografie hat eigene Gestaltungsregeln, die unbedingt beachtet werden müssen. Im Wesentlichen geht es bei diesen Regeln um Lesbarkeit, Imagetransfer und die Darstellung der Kernbotschaft.
Neben dem Wort mit seiner sprachlichen Bedeutung ist die Wahl der Schriftart mit der das Wort dargestellt wird äußerst wichtig für das Image und die Markenidentität. Die Schriftgestaltung unterstreicht die Kernbotschaft einer Marke und bedient sich wie die Farben der assoziativen Zuordnung von Emotionen und kulturellen Hintergründen. Serifenschriften stehen z.B. für die Berichterstattung und die gedruckte Nachricht, mit Schreibschriften assoziieren wir Comics und vielleicht noch die Schultafel. Kombinieren wir die Farben Schwarz, Weiß und Rot mit der Serifenschrift Times bewegen wir uns im Bereich der morgendlichen Boulevard-Blätter am Kiosk.
Setzen wir eine serifenlose weiße Schrift auf die Hintergrundfläche Pink, ist diese Kombination unweigerlich von der Telekom besetzt.

TEXTUR
Ein sensibler Umgang ist angebracht.
Ein Design wird durch eine Texture lebendig. Wenn wir uns Sehend und Tastend durch die Welt bewegen, stellen wir fest, dass es überall Texturen gibt. Auf Webseiten oder bei gedruckten Seiten fühlen wir sie nicht, aber wir sehen sie und sie erzeugen Bilder in uns und erwecken Erinnerungen.
Für Weichheit, Geborgenheit und Gemütlichkeit steht nichts einfacheres als eine Baumwolltextur, für Baumaterialien steht wohl eher der Look von Zement, Stein und Ziegeln.
Texturen sind eine Anspielung auf unsere natürliche Umgebung. Eine Textur ist ein sicherer Weg, um einem Grafikdesign Tiefe und Dimension zu verleihen.
Texturen können schnell über das Ziel hinaus gehen. Ein sensibler Umgang ist durchaus angebracht.

IMAGE UND BRANDING
In den Herzen der Menschen.
Das Fundament eines Brandings ist seine Strategie. Und Strategie heißt wie beim Schach, die nächsten Züge sind vorgeplant oder stehen bereits fest. Durch das Branding wird eine Marke zum Leben erweckt, denn sie ist mehr als nur ein Name und ein Logo. Sie ist das, was die Menschen über sie reden, was sie über sie denken. Sie lebt als Konzept „in den Herzen und Köpfen“ der Menschen.
Dieses Konzept wird geformt durch Handlungen, Botschaften und die konsequente Anwendung der vorgenannten 7 Bausteine.

BEISPIELE
MESSESTAND
PRODUKTKATALOG
Konzeption, Text und Entwurf, Reinzeichnung und Produktion
LEISTUNGSKATALOG
Konzeption und Entwurf, Reinzeichnung und Produktion